Sonntag, 12. Februar 2012

SAGA-GWG und Quantum bauen am Suttnerpark.

Im Sommer 2012 weicht das Electrolux-Gebäude am Suttnerpark einem Neubau. Den Entwurf hatten Bezirk und Investor schon im März 2011 präsentiert. Seitdem kursierten Gerüchte über den Absprung des Investors zugunsten einer Baugenossenschaft. Nichts Genaues wusste man. Bis gestern.

Im Gerücht steckte ein Stück Wahrheit: Der Investor Quantum begnügt sich mit 52 frei finanzierten Wohnungen zu einem Mietpreis von unter zehn Euro. Die übrige Wohnfläche vermietet die städtische SAGA-GWG als geförderten Wohnraum an Senioren und Familien – für 5,90 Euro kalt.

Ich sehe diese Entwicklung als ersten zaghaften Schritt in eine richtige Richtung. Der Dank dafür gebührt vor allem den Protesten der Recht auf Stadt-Initiative „Mietenwahnsinn stoppen“. Über die selbstgefällige Pressemitteilung von SAGA und Quantum kann ich nur den Kopf schütteln.

In dem peinlichen Pamphlet bedankt sich SAGA Vorstand Dr. Krebs ernsthaft beim Bezirk Altona, „der dieses [Bau-]Vorhaben auch im Sinne der Bewohner unterstützt hat“. Ob er mit „Bewohner“ die Obdachlosen meint, die in der Gewerberuine seit Jahren schlafen? Aber lest selbst:

> Pressemitteilung von SAGA und Quantum: Neubau von 165 Wohnungen im Herzen Altonas

Very british: Ökostrom.

Seit langem siecht der Suttnerblog dahin, heute bäumt er sich auf. Und zwar mit einem wundervollen Werbefilm von Ecotricity, dem nach eigenem Vernehmen ersten Ökostromanbieter der Welt. Doch werfen wir zuvor einen kurzen Blick auf die kuriosen Eskapaden des exzentrischen Gründers und Geschäftsführers Dale Vince.

2010 erwarb Vince 71 % des Forest Green Rovers F.C., wenig später war er erster Vorsitzender und strich den Spielern, aus gesundheitlichen Gründen, rotes Fleisch vom Speiseplan. Mittlerweile müssen auch die Fans darauf verzichten: Im Stadion isst man vegetarisch, Geflügel aus Freilandhaltung oder nachhaltig gezüchteten Fisch. Vince ist Veganer.

Auf der Facebook-Seite von Ecotricity werden ebenfalls keine Gefangenen gemacht. Während deutsche Ökostromanbieter meist mit grünen Wiesen werben, fordert Ecotricity unverblümt: „Dump the big six!“ Man stelle sich vor, LichtBlick schösse gegen E.on, RWE, EnBW und Vattenfall mit der Parole „Entsorgt die großen Vier!“. Ich fänd es okay.

Die kollabierenden Kühltürme stehen übrigens nicht für Fossile Energie im Allgemeinen, sondern für RWE npower, Scottish and Southern Energy (SSE), E.on, British Gas, Électricité de France (eDF) und Scottish Power:


Am liebsten mag ich den französischen Kühlturm mit Moustache (Video: ecotricity)

Mittwoch, 1. Februar 2012

Hamburger Abendblatt frisst Vattenfall aus der Hand.

Energiewende macht Strom 30 Prozent teurer!“ schrie mir Vattenfall-Boss Tuomo Hatakka an einem trüben Oktobermorgen in mein verschlafenes Antlitz. Fast hätte ich vor Schreck die  Brötchentüte fallengelassen. Hatakka kredenzte mir die Ausrede für seine dreiste Preispolitik auf der Titelseite des Hamburger Abendblattes!

Mit derart undifferenzierter Vattenfall Werbung disqualifiziert sich das Abendblatt gerne. Regelmäßig entblößt der Deckmantel journalistischer Objektivität subjektive Synonyme: Aus einem 1.640 MW Kohlekraftwerk wird die „Königsklasse des Maschinenbaus“, ein „Kolosseum der Moderne“ oder gar ein „Fernwärmekraftwerk“.

Ich spreche diesbezüglich gerne von einer „Dreckschleuder“ oder einem „Klimakiller“. Aber im Gegensatz zum Abendblatt verlange ich für meine private Meinung kein Geld. Und ich plündere auch nicht auf Kosten von Vattenfall das Buffet eines altehrwürdigen Hamburger Fünf-Sterne-Hotels. Vorhang auf für den Hamburger Presseball 2012:

Einladung zur Selbstbedienung: Umweltaktivisten auf dem Presseball (Video: Vattenfail)