Freitag, 31. August 2012

Das Insektenhotel im Suttnerpark.

Bei oberflächlicher Betrachtung erscheint unser Hochbeet im Bertha-von-Suttner-Park als Ort der Ruhe und des Friedens. Doch im Mikrokosmos zwischen Kartoffeln und Kapuzinerkresse spielen sich wahre Dramen ab. Hier regiert das harte Naturgesetz. Und das ist gut so. Schließlich wäre unser Gemüse ohne mörderische Marienkäfer dem Untergang geweiht gewesen.

Mit seinem reichen Nahrungsangebot lockt das Beet eine wachsende Anzahl nützlicher Tiere an. Beheimaten kann es sie ebenso wenig wie der umliegende Suttnerpark. Denn dort verschwindet mit der Bebauung des Electrolux-Areals die letzte große Bastion kreuchender und fleuchender Nützlinge. Es bleiben nur mehr gemähtes Gras und gelichtetes Gebüsch.

Beim Brombeerstrauch neben unserem Hochbeet haben wir daher versucht, Marienkäfer und Wildbiene eine adäquate Heimstatt zu errichten. Kurz darauf fiel das umliegende Grün dem alljährlichen stadtgärtnerischen Kahlschlag zum Opfer. Unser Bauwerk gleicht nun eher einem Mahnmal, dass im Suttnerpark zwar eine gewisse Flora geduldet, jedwede Fauna aber unerwünscht ist.

Hier ein paar Fakten über unser Insektenhotel:

Grundstück gesucht. 
Insekten mögen es kühl. Daher empfiehlt sich ein Baugrund im Halbschatten, zum Beispiel bei einer Hecke. Unseren Prachtbau umringten, bis die Gärtner kamen, üppige Sträucher. Wichtig ist außerdem ein ebenes Fundament.
 
Der Park als Baumarkt.
Hurra – ein Insektenhotel kann man prima aus vermeintlichem Müll bauen. Unser Rohbau besteht aus einem Stapel alter Paletten. In den Etagen sorgen Fundstücke aus Park und Garten für Wohnlichkeit.

Igel im Erdgeschoss. 
Als es im Suttnerpark noch Rückzugsorte gab, lebte hier ein Igel. Obgleich er die stattliche Armada Spanischer Wegschnecken, die allabendlich unser Hochbeet umschleicht, als ungenießbar erachtet, hätten wir ihn gerne wieder. Ihn erwartet ein heimeliger Unterschlupf voller Laub.

Sieg nach Punkten für die Marienkäfer. 
Zwischenzeitlich litt unser Hochbeet an üblem Lausbefall. Dann kamen die Marienkäfer. Das Problem war gegessen. In unserem Insektenhotel können sie zwischen Ästen und Wurzeln überwintern. Genauso wie Ohrwürmer und viele andere Nützlinge, die dem Lausschmaus fröhnen.

Wo Wildbienen sesshaft werden. 
Anders als ihre honigschlemmenden Schwestern leben die friedliebenden Einsiedlerbienen alleine. Zur Eiablage präferieren sie kleine Löcher in sonniger, witterungsgeschützter Lage. Die Innenwände müssen absolut glatt sein. Wir offerieren unseren Gästen eine alte Balkonverkleidung.

Schlachterei „Zur Florfliege“.  
Florfliegen sind die bittere Geißel jedweden Ungeziefers. In unserem Insektenhotel können sie ihre Raubzüge perfide planen, gut geschützt in einer ihres Bodens entledigten PET-Flasche prall gefüllt mit Wellpappe.

Hotel mit Dachgarten. 
Die Dachterrasse besteht aus zwei zusammengenagelten Paletten. Begrünt mit Wildblumen lockt sie Bienen an, bietet Schutz von oben und integriert das Hotel optisch in den Park. Auf eine isolierende Zwischenschicht haben wir verzichtet, damit sich kein Kondenswasser bildet.

Dieses Projekt entstand in Anlehnung an einen Artikel bei Biotope City, dem internationalen Online-Journal für Stadtnatur.

Bei seiner Eröffnung stand das Insektenhotel noch mitten im Grünen

Totes Holz schafft neuen Lebensraum

Das Erdgeschoss besticht durch Igeltauglichkeit
Rechts unten: Eine Balkonbalustrade wird zur Niststätte für Wildbienen
Eine aufgeschnittene PET-Flasche mit Wellpappe als Domizil für Florfliegen

Fünf Stockwerke. Eine Million Sterne
Kurze Zeit später: Das Sonnendeck mit Bienenlandeplatz.

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