Donnerstag, 5. April 2012

Das Waldhaus auf dem Holzweg.

Der kahle Suttnerpark, dekoriert mit Treezer fürs iPhone
Seit die Landschaftsgärtner vor meiner Haustür Kahlschlag säten, bin ich besonders empfänglich für jedwede Art der Aufforstung. Daher war ich recht erfreut, als ich auf Treezer stieß. Mit dieser App kann man virtuelle Bäume pflanzen: einfach mit dem iPhone ein Foto schießen, einen Baum aussuchen und im Bild platzieren – fertig.

Von der Buche im Badezimmer bis zur Tanne mitten auf der Holstenstraße  – Treezer lässt keine arbophile Fantasie unbefriedigt. Das Besondere: Für das erste Foto, das man bei Facebook teilt, wird angeblich irgendwo ein echter Baum gepflanzt. Aber von wem? Wer steckt hinter Treezer?

Initiator der App ist die Stiftung Unternehmen Wald, die sich „für die Förderung des Naturschutzes, der Landschaftspflege und der nachhaltigen Entwicklung einsetzt“. Finanziert wird sie zum Großteil durch Sponsoring. Über 10 % ihres Jahresbudgets stammen von der Klosterfrau Vertriebsgesellschaft mbH, nur rund 10 % stammen aus Spenden.

Vorstandsvorsitzender der Stiftung ist Rüdiger Kruse, seines Zeichens Bundestagsabgeordneter der CDU Eimsbüttel. Nebenbei leitet Kruse als Geschäftsführer die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW). In dieser Funktion lebte er zeitweise anstelle des Försters im Forsthaus Niendorf, welches von seiner SDW genutzt wird.

2009 verkündete die SDW, das schmucke Forsthaus zu einem „Haus des Waldes“ mit Restaurant und Tagungszentrum ausbauen zu wollen, finanziert durch 4 Millionen Euro aus dem Konjunkturpaket II. Doch daraus wurde nichts: Ein erfolgreiches Bürgerbegehren erboster Eimsbüttler schützte den Wald vor seinen Schützern.

Aber es kommt noch besser. Denn bald öffnet das umstrittene Baumhaus seine Pforten: als „Exzellenzprojekt“ der Internationalen Bauausstellung (IBA) auf der Wilhelmsburger Elbinsel, für deren Bebauung mehr als 2.000 Bäume gefällt wurden. Das mag der Grund dafür sein, dass sich die fünfstöckige Holzbeschau nunmehr Wälderhaus nennt.

Ab Juli 2012 sollen dort jährlich 60.000 Schulkinder, von denen viele noch nie im Wald waren, ein Waldmuseum besuchen, wo einst ein Wald war.

PS Als bekennender Gegner der Atomenergie ist Rüdiger Kruse übrigens Empfänger von bislang 130.000 Protest-E-Mails der Campact-Initiative „Atomtod exportiert man nicht“. Hier könnt ihr ihm schreiben:

Kommentare:

  1. Und wer hat's gebaut? Der Hummer.

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    1. Aufmacher für den Wildpark! Apropos – wer kümmert sich jetzt um mein Abo?

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