Donnerstag, 5. Januar 2012

Bis hierher und noch weiter: Jahresrückblick 2011.

Der Januar.
Eine Umwelthauptstadt raucht ab
Ab dem ersten Januar nennt sich Hamburg ein Jahr lang „Umwelthauptstadt Europas“, ich nenne einen mit 180 Löchern versehenen Tonquader auf meinem Balkon mein „Bienenhotel“. Beide Projekte scheitern. Im Gegensatz zum Hamburger Senat blamiere ich mich nur vor wählerischen Wildbienen – und kann mein Glück 2012 erneut versuchen.

Der Februar.
Krisensichere Kuhanlage
Im Februar streiche ich die erste Dividende meiner Kuhaktie ein: 10,22 Euro auf dem Papier, eine fette Käserendite im Kühlschrank. Während ich mich am Lab meiner Herde labe, droht vor der Haustür neues Ungemach: Genau ein Jahr, nachdem das Oberverwaltungsgericht die Genehmigung für die Moorburg-Trasse einkassiert hat, stellt Vattenfall einen neuen Antrag.

Der März.
Tag der geschlossenen Tür bei Vattenfall
Die Katastrophe in Japan macht sprachlos. Grund genug, laut zu werden. Bei der größten deutschen Anti-Atom-Demonstration gehen 250.000 Menschen auf die Straße, 50.000 davon in Hamburg, einer davon ich. Ein Polizeiaufgebot in Kampfmontur schützt derweil das Hamburger Kundenzentrum von Vattenfall. Bis heute frage ich mich, ob man mit Kundennummer hätte passieren können.

Der April.
Es geht auch ohne Kohle von Vattenfall
Engagierte Menschen entreißen Vattenfall die gesellschaftliche Legitimation als Mäzen der Vattenfall Lesetage: An 40 Orten in Hamburg heißt es erstmals „Lesetage selber machen – Vattenfall tschüss sagen!“. Das vattenfall-kritische Lesefestival ist ein voller Erfolg und geht vom 18. bis 27. April 2012 ins zweite Kapitel. Wer jetzt noch für Vattenfall liest, zeigt Leseschwäche!

Der Mai.
Der erste Nachbarschaftstreff im Suttnerpark
Auf meiner ersten 1. Mai Demonstration schließe ich mich Forderungen wie „Grrr!“ oder „Grundlos Geld“ gerne an. Vielleicht ist es der Euphorie dieses Tages geschuldet, dass ich den Suttnerblog kurz darauf bei Herrn Zuckerberg anmelde. Doch nicht nur meine digitale Sozialisation schreitet voran: Gemeinsam mit „Moorburgtrasse stoppen!“ veranstalte ich den ersten Nachbarschaftstreff im Suttnerpark.

Der Juni.
Park mit Potential: Der zweite Nachbarschaftstreff
Mit lauter Musik feiert die politische Parade „Vattenfall wegbassen“ durch den Suttnerpark. Meine akribisch einstudierte Rede bleibe ich Publikum und Nachwelt schuldig, an der Frischluft finde ich gefallen. Ein zweiter Nachbarschaftstreff im Park ist die Folge. Wenig später pflanzen sich dort private Pflanzen in öffentliche Erde. Dem Suttnerpark blüht Unterstützung!

Der Juli.
Blumen statt Baustelle: Wir pflanzen uns in den Park!
Jetzt gibt es kein Halten mehr. Unter dem Motto „Blumen statt Baustelle“ feiern meine erweiterte Nachbarschaft und ich ein großes Parkfest. Zahlreiche florale Mitbringsel werden von juvenilen Kleingärtnern in die Erde entlassen, neue Kontakte geknüpft. Dieses  Miteinander ist ansteckend: Ein altes Ölfass wird zur Feuertonne und wärmt ab Ende des Monats einen dienstäglichen Nachbarschaftstreff im Park.

Der August.
Es geht nichts über einen guten Tropfen an der Feuertonne
Aus der Anonymität des Internets zieht es mich vermehrt in die Realität. Und die ist gar nicht so übel, wie ich sie mir immer vorgestellt hatte. Im Zentrum meiner außerhäuslichen Aktivität steht die Feuertonne im Suttnerpark. Bei schönstem Sommerregen gedeihen hier neue Bekanntschaften, neue Sichtweisen und neue Ideen für gemeinsame Aktionen.

Der September.
Blumen statt Baustelle 2: Urbanes Gärtnern im Suttnerpark
Ein Urwald aus Unkraut verliert seinen Grund. Grund dafür ist die wachsende Freude der Nachbarschaft am Urban Gardening; ein Beet entsteht. Die Entdeckung des Suttnerparks gipfelt im großartigen Parkfest „Blumen statt Baustelle 2“. Was als Protest begonnen hatte, ist nun ein Prost. In der Holstenstraße sorgt unterdessen ein elf Meter langes Transparent dafür, dass die Verunglimpfung von Vattenfall nicht zu kurz kommt.

Der Oktober.
Widerstand to go: die mobile Sprühschablone
Eine mobile Sprühschablone für Banner macht es möglich: Entlang der geplanten Moorburg-Trasse sehen immer mehr Menschen rot und zeigen Flagge gegen Vattenfall. Im Suttnerpark ist aus dem Dagegen längst eine Dafür geworden, als Freundeskreis Suttnerpark bekommt das vielfältige Engagement für den Park endlich einen adäquaten Namen und ein schmuckes Logo.

Der November.
Kunst und Kultur rücken den Suttnerpark in ein neues Licht
Die Blätter fallen, der Suttnerpark blüht auf. Bei einer Kunstinstallation mit Leuchtobjekten werden Bäume zur Galerie. Beim Hamburger Lesemarathon werden Parkbänke zur Bühne. Der Vortrag „Urbane Permakultur“ gibt gärtnerische Impulse fürs Frühjahr. Der Monat endet mit einem Paukenschlag: Senat und Vattenfall tragen die Moorburg-Trasse zu Grabe – beantragt und genehmigt werden soll sie trotzdem.

Der Dezember.
Hier geht die Nachbarschaft ins Netz
Der Suttnerblog schlummert in friedlichem Winterschlaf, die Nachbarschaftsplattform niriu erwacht aus ihrer Betaphase. Mit neuen Funktionen wie zum Beispiel den Events ist niriu endlich auch für den Freundeskreis Suttnerpark interessant, was ich auf der Launchparty mit einigen Bieren begieße. Weihnachten kann niriu leider nicht verhindern.

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