Samstag, 26. Februar 2011

Kostenlos korrekt gekleidet.

Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit hat Hamburg inzwischen mehr H&M-Filialen als Freudenmädchen. Trotzdem tapeziert der größte Hersteller von Wegwerfmode die Stadt unerbittlich mit seinen öden Models. Schick wäre es, wenn stattdessen neue Kollektionen aus dem Umsonstladen die Plakatflächen zierten!

Die Textilien dort sind günstiger (jedes Teil 0,- Euro), ökologischer (weniger Ressourcen, weniger Müll) und auch ihr Unterhaltungswert ist merklich höher, wie dieses traumhafte Fundstück von der Website der Betreiber beweist:



New York, Paris, Mailand – irgendwann landet der Stoff ja doch in Altona


Weitere ökologisch wertvolle Gratis-Styles und einen neuen Sinn für eure alten Klamotten findet ihr beim Arbeitskreis Lokale Ökonomie Hamburg.

Dienstag, 22. Februar 2011

Wenn Werber abschalten.

Stecker und Steckdose sind schlimme Schwerenöter. Solange sie zusammenstecken, feiern sie heimlich eine Dauerparty. Dass Toaster, Computer und Fernseher derweil unverrichteter Dinge herumstehen, ficht sie nicht an.

Im Kampf gegen derlei Veschwendung sorgen abschaltbare Steckdosenleisten für ein züchtiges Miteinander. Eine Praxis, die sich auszahlt: Das jährliche Einsparpotential meines ehemaligen Arbeitgebers hatte ich mir auf über 1.000 Euro schöngerechnet.

Natürlich ist das Geld, das im Büro durch die Steckdose rinnt, nicht das eigene. Und genau darum schalten die Mitarbeiter von Wieden + Kenndy London nun fleißig ab. Denn von jedem gesparten Cent lässt die Werbeagentur Schulen in Afrika mit Solarzellen ausstatten.

Erste Hochrechnungen versprechen jährliche Einsparungen von fast 4.000 Pfund, das Erfolgsmodell soll auf alle Standorte ausgedehnt werden. Hier haben Werber ein wirklich nachhaltiges Projekt angeschoben, das mehr bewegt als den eigenen Medaillenspiegel:

Werber gegen den Strom: Wieden + Kennedy London

Mehr positive Energie auf dem Suttnerblog:
> Game over für Stromfresser

Samstag, 19. Februar 2011

Geschäftstermin: ohne Geld im Hofladen.

Schwer zu verfehlen: Der Kattendorfer Hofladen in der Lappenbergsalle 36

Die drei Hofziegen bringen es pro Tag auf 10 Liter Milch, genug für 1 Kilo Käse

Limose, bist du es? Fleisch von Tieren mit Namen


Fröhlich pfeifend legte ich mir eben ein paar Scheiben köstlichen Bergkäse aufs Brot. Dieser Umstand ist bemerkenswert, da es sich um Käse von „meiner“ Kuh handelte, den ich nicht mit Bargeld, sondern mit der Dividende meiner Kuhaktie bezahlt habe, und zwar im Kattendorfer Hofladen in Eimsbüttel.


Neben köstlichem Käse finden sich dort weitere Molkereiprodukte, Gemüse, Fleisch und Brot, fast alles aus eigener Herstellung und in Demeter-Qualität. Hier weiß ich, woher die Ware stammt. Ich weiß, wie mein Geld dem Hof zugute kommt. Und ich weiß um die Herausforderungen, die der Gemüsebau, die Kuhherde und die Käserei 2010 mit sich gebracht haben.

Diese Wertschätzung der Lebensmittel gefällt mir. Sie passt gut zu meinem Vorsatz, weniger Nahrung zu vergeuden. Dass die Erzeugnisse teurer sind als die Massenware, die Discounter wie Aldi den Bauern abpressen, empfinde ich als hilfreich. Hier überlege ich zweimal, wie viel ich kaufe. So landet weniger im Müll.

Besonders mundet der Käse übrigens mit passendem Brot. Probiert selbst:

Kattendorfer Hofladen in Hamburg Eimbsbüttel

  • Lappenbergsallee 36
  • Dienstags bis Freitags 11:00 - 20:00 Uhr
  • Samstags 08:00 - 14:00 Uhr
Marktstand vom Kattendorfer Hof in Hamburg Altona
  • Ökomarkt auf dem Spritzenplatz
  • Samstags von 09:30 - 15:00 Uhr
Mehr Kattendorfer Hof auf dem Suttnerblog:
> Kuhaktie mit Käserendite
> Wenn ein Idealist eine Aktie kauft
> Ich kaufe mir eine Kuh

Samstag, 12. Februar 2011

Ein ungewöhnlicher Aufruf.

Niemand löffelt gerne die Suppe anderer aus. Trotzdem wird in Deutschland reichlich davon gekocht. Eine besonders heiße Brühe ist unser Atommüll, für den weltweit noch kein fertiges Endlager existiert.

Diese unbestrittene Problematik thematisiert das Projekt „Sei Teil der Bewegung
in einem kurzen Film, der auf ungewöhnliche Weise zum Wechsel zu Ökostrom aufruft. Mittlerweile habe ich ihn mir viermal angesehen und bin nach wie vor extrem angetan:

So habe ich es noch nie gesehen (Film: seiteilderbewegung.de, via greenpeace blog)

Freitag, 11. Februar 2011

Reiniger fürs Gewissen.

Keine Katzenwäsche: Allzweckreiniger nach Art des Hauses

Säße unter meiner Spüle eine ausgebeutete Kassiererin, man könnte meinen, dort befände sich eine Schlecker-Filiale: Über zwanzig grelle Verpackungen schreien mich an, die ich – wie auch ihren Inhalt – Haushalt und Heimplaneten eigentlich nicht mehr zumuten wollte.

Sind meine diesbezüglichen Vorsätze gescheitert? Nicht komplett. Auf den zweiten Blick finden sich neben unschönen Altlasten auch Zeichen der Hoffnung.

Allzweckreiniger: Perfekte Einlichkeit.
Im schmucken Keramikgefäß wird mein selbst gemischter Allzweckreiniger zum Blickfang. Die günstige und umweltfreundliche Tinktur bewährt sich in dritter Generation und ersetzt mittlerweile Bodenreiniger, Parkettreiniger, Sprühreiniger und Glasreiniger.
> Allzweckreiniger einfach selber machen

Abflussreiniger: Rohr frei. Schadstofffrei.
Eine der miesesten Mixturen in meinem Giftschrank ist der Abflussreiniger. Sobald das teure Teufelszeug leer ist, steige ich um auf Essig und Natron, die ich auch für meinen Allzweckreiniger benötige.

Waschmittel: Bleib sauber, Umwelt!
Mein Waschmittel stelle ich mit großem Vergnügen selbst her. Besonders unnachgiebigen Schmutz foltere ich für einige Stunden in einem Eimer Wasser mit zwei Esslöffeln Waschsoda. Danach sieht die Brühe mitunter aus, als hätte ich damit den Boden gewischt – und ich spare mir die Vorwäsche!
> Waschmittel einfach selber machen

Insektizide: Billige Bienenarbeit.
Statt mit Gift habe ich die Blattläuse letzten Sommer mit Brennnesselsud vertireben, gebraut aus vermeintlichem Unkraut vor der Haustür. In Zukunft soll eine Armada Wildbienen den Job übernehmen.
> Bienenhotel gegen Blattläuse

Mittwoch, 9. Februar 2011

klimahlzeit-Tipp #4: Reinen Tisch machen!

(Dieser Artikel ist Teil meines Twitter-Projektes klimahlzeit, bei dem ich meine weggeworfenen Lebensmittel öffentlich mache und Tipps gebe, wie sich solche Verschwendung vermeiden lässt.)

„Iss auf, dann scheint morgen die Sonne!
Obgleich ich meinen Erzeugern spätestens im Kindergarten das Gegenteil zu beweisen vermochte, bestand ihre Kausalkette nicht komplett aus Blech. Vergeudetes Essen und das Wetter stehen in Relation, wenn auch in einer weitreichenderen.

Selbst vermeintlich regionale Produkte wurden oft viele tausend Kilometer transportiert. Ökologischer Unsinn wie Bio-Karotten aus Israel lassen sich noch an der Beschilderung entlarven. Bei Nordseekrabben, die inzwischen zu 90 % in Afrika gepult werden, sieht das schon anders aus.

Solange der CO2-Fussabdruck von Lebensmitteln nicht ausgewiesen ist, macht es umso mehr Sinn, kein Essen zu verschwenden. Bevor ich später einen weit gereisten Palmölriegel nachschiebe, speise ich Mittags lieber doch zu Ende, obwohl ich schon satt bin.

Darum lautet mein klimahlzeit-Tipp #4:
Reinen Tisch machen!
Oder um es wie Mama und Papa zu sagen: „Iss schön auf, dann bremst du den Klimawandel mit seinen Sturmfluten und Dürren!

Samstag, 5. Februar 2011

Wahlwerbung mit Vattenfall.


Jetzt neu: Ehrliche Werbung mit Vattenfall


Über gelungenes Adbusting kann ich immer schmunzeln, vor allem im Wahlkampf. Als ich gerade über die Ampel hetzte, lachten mich gleich zwei Wahlplakate an, deren Gehalt durch Aufkleber von null auf hundert Prozent erhöht wurde.


Wo ich am zwanzigsten Februar meine zwanzig Kreuze platziere, weiß ich trotzdem noch nicht. Aber das Ausschlussverfahren macht die Entscheidung leichter.

[update:] Bei Stop Greenwashing findet ihr die Versionen für SPD und CDU

Electrolux: Neubau am Suttnerpark.

[update:] Die neueste Entwicklung zu diesem Thema:
> SAGA-GWG und Quantum bauen am Suttnerpark


Freitag habe ich an der Planungswerkstatt „Wohnen am Suttnerpark“ teilgenommen. Leider entpuppte sich der Titel der Veranstaltung als Mogelpackung. Die Pläne waren bereits geschmiedet, und zwar in Form von vier groben Entwürfen zur Neubebauung des seit Jahren leerstehenden Electrolux-Gebäudes.Zum Hintergrund: Das ursprünglich dort ansässige Gewerbe mit rund hundert meist türkischstämmigen Angestellten musste vor vier Jahren weichen. Seitdem verrottet das Gelände. Nun soll der Bebauungsplan geändert und ein Großteil der Fläche für lukrative Mietwohnungen freigegeben werden. Mehr hierüber erfahrt ihr bei Lux und Konsorten.

Eine Neubelebung des Blocks und des angrenzenden Bertha-von-Suttner-Parks ist wichtig und richtig. Aber im Mittelpunkt der
Planungswerkstatt stand nicht die soziale, sondern lediglich die architektonische Integration ins Viertel. Falls man bei dem, was mich dort erwartete, von Bürgerbeteiligung reden kann, kam diese also zu spät.

Was die vorgestellten Entwürfe betrifft, ist eines allen gemein: Die Grenze zum Park wird mindestens fünfstöckig bebaut. Um die so entstehende Lichtsitutation aufzubessern, sollen einige hässliche Bäume fallen. Vielleicht sollte der Investor mal bei Vattenfall anrufen, die ja ebenfalls
den Suttnerpark „auslichten“ wollen.

Hier einige Reaktionen der Teilnehmer auf die Entwürfe. 

Was gefiel? 
- verbesserter Übergang vom Wohlerspark zum Bertha-von-Suttner-Park
-
Öffnung der geplanten Innenhöfe zum Park
- Öffnung der
geplanten Innenhöfe zur Holstenstraße als Gewerbegasse
- Vergrößerung der Parkfläche

  
Was gefiel nicht?
- mindestens fünfstöckige Bebauung zur Parkseite
- siebenstöckige Bebauung an der Ecke Holstenstraße/Suttnerstraße und am Park (Nähe Holstenplatz)- gefühlte Verkleinerung des Parks und weniger Licht
- zu hohe und dichte Bebauung der Innenhöfe

  
Was wurde gefordert?
- bessere soziale Integration ins Viertel
- Gewerbeflächen und soziale Orte auf öffentlichem Grund
- künftig frühere Bürgerbeteiligung
- Bürgerbeteiligung bei der Neuplanung des Parks
- niedrigere und offenere Bebauung zum Park hin

Die Umwandlung von Gewerbefläche in Mietwohnungen und die hohe Bebauung sind wohl beschlossen. Ob der eine oder andere Wunsch der Teilnehmer bei der weiteren Planung berücksichtig wird, können wir sicher bei der nächsten Veranstaltung zur Kenntnis nehmen.

Freitag, 4. Februar 2011

Moorburgtrasse: Vattenfalls neuer alter Plan.

Im Februar 2010 hatte das Oberverwaltungsgericht Hamburg die Genehmigung der als Moorburgtrasse bekannt gewordenen Fernwärmeleitung für ungültig erklärt. Nun hat Vattenfall den Bau erneut beantragt, diesmal ist der Atom- und Kohlestromkonzern zur Beteiligung von Anwohnern und Umweltverbänden gezwungen.

Die Fernwärmetrasse wäre eine Katastrophe für den Grünzug Altona, das Ende von circa 400 Bäumen und Vattenfalls Versicherung, die Stadt Hamburg über Jahrzehnte an schmutzige Fernwärme aus dem Kohlekraftwerk Hamburg-Moorburg zu binden. Der im Bau befindliche Klimakiller steht massiv in der Kritik, da er die Umweltziele des Senats ad absurdum führt.

Neben der ursprünglich geplanten Schneise der Zerstörung schlägt Vattenfall einen Verlauf entlang der Holstenstraße vor. Auch in diesem Fall wären alleine vom Bertha von Suttnerpark (29 Bäume) bis zum Lunapark und den Sportplätzen an der Waidmannstraße (28 Bäume) mindestens 142 Bäume betroffen.

In einer Presseerklärung im Lunapark haben Vertreter von AG Lunapark, Bürgerinitiative „Moorburgtrasse stoppen!“, Hafenstrom GmbH, BUND Hamburg, Robin Wood und der Paulus Kirchengemeinde Altona gegen die Pläne Stellung bezogen:

Gemeinsam Vattenfall zu Fall bringen (Video: utopie.TV)

Bezieht ebenfalls Stellung und wechselt zu unabhängigem Ökostrom:
> empfehlenswerter Ökostrom in der Preisübersicht