Dienstag, 31. Mai 2011

Das Clean Ocean Projekt. Die helfende Hand der Strände seit 2002.

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„Oceans, rivers, lakes and streams
Have all been touched by man
The poison floating out to sea
Now threatens life on land“
(The Beach Boys)


1971 beschworen die Beach Boys auf ihrer LP „Surf’s up“ die Rettung der Meere. 31 Jahre später gründete der Local Wim Geirnaert auf Fuerteventura das Clean Ocean Project. Ein Interview.

Hi Wim! Mein Stereotyp eines Surfers ist ein braungebrannter Bursche mit hellem Haar und Haifischzahnkette um den Hals. Ein Kerl, der lieber auf Sand schläft als auf Satin. Dein Clean Ocean Project organisiert Aufräumaktionen an den Stränden von Fuerteventura, von denen einige eher an Müllhalden erinnern. Wo ist die Liebe der Surfer zur Natur geblieben?

(Wim:) Über die Haifischzähne kann ich Dir nichts sagen. Aber sonnengebräunte Haut und blonde Haare, das macht die Sonne, das Salz und natürlich das Meer. Allerdings nicht überall, frag mal die Jungs in Schottland oder Irland. Dort findest Du keinen hochglanzpolierten, braungebrannten Surfer Lifestyle. Keine Ahnung, ob Surfer die Natur mehr achten und schützen als Andere. Ich denke, die verhalten sich manchmal genau so gedankenlos wie alle anderen. Aber einige sind wirklich besorgt und wollen etwas ändern. Das Clean Ocean Project wurde ja von Surfern ins Leben gerufen. 2002 haben wir angefangen mit dem ersten „Beach cleaning“, denn die Strände auf Fuerteventura sahen wirklich aus wie Müllkippen. Insbesondere die Strände am North Shore waren in einem erbärmlichen Zustand. Und keinen hat es interessiert. Also habe ich sonntags Freunde zusammen getrommelt und gemeinsam haben wir unsere „Spielplätze“ gereinigt. Immerhin waren sie so eine Weile sauber, aber vor allem haben wir der lokalen Regierung gezeigt, dass es sehr wohl Menschen gibt, die sich um die Natur sorgen.

Und wie ging es weiter mit dem Clean Ocean Project? Was waren für Dich die größten Hürden, was die größten Erfolge?

(Wim:) Unser größter Erfolg sind die sauberen Strände auf Fuerteventura und Lanzarote. Schließlich hat hier alles begonnen, hier konnten wir über die Jahre am meisten bewegen, von Strandsäuberungen bis hin zu verschiedensten Aktionen. Wir haben zum Beispiel darauf aufmerksam gemacht, dass unzählige Zigarettenstummel achtlos am Strand weggeschmissen werden. Oder wir haben darauf hingewiesen, dass Plastiktüten ein großes Problem darstellen. Die Meere sind voll davon. Wohl die größte Herausforderung für die Zukunft. Über die Jahre wurden die Strände nach und nach sauberer, auch weil die lokale Regierung sich nun kümmert. Und auch weil immer mehr Menschen begreifen, wie wichtig und unersetzlich die Natur ist. Gerade auf einer Insel. Schritt für Schritt konnten wir so etwas vorantreiben, aber es ist noch ein langer Weg.

Mal abgesehen von großen, schweren LKW-Reifen und Tonnen von Müll haben wir bisher keine wirklichen Hürden aus dem Weg schaffen müssen. Um ehrlich zu sein ist es die größte Herausforderung, seine Ideen in die Tat umzusetzen und neue Aktionen zu starten. Ohne die Hilfe von Freunden könnten wir das nicht schaffen. Und wie Du dir vorstellen kannst, braucht das Clean Ocean Project Geld, um weiter arbeiten zu können. Genau wie jede andere Unternehmung. Aber wie gesagt, Schritt für Schritt. Und ich denke auch, dass dieses Tempo richtig ist, nachhaltig wirkt. Die Unterstützung unserer Freunde und die positive Resonanz sind sehr wichtig. Sie halten uns bei Laune. Es fühlt sich einfach gut an für mich.

Vor kurzem hast Du das GREEN LABEL entwickelt. Das Clean Ocean Project zeichnet damit Unternehmen wie zum Beispiel Surfschulen aus, die ihren Einfluss auf die Umwelt minimieren. Wie wurde es bisher angenommen und welche Regeln setzt Du bei der Vergabe?

(Wim:) Wir – das ist mein Freund Jo Grimm, der von Anfang beim Clean Ocean Project dabei ist, und ich – haben nach Wegen gesucht, damit Leute aktiv werden und etwas machen. So entstand das GREEN LABEL, das insbesondere für Surfschulen und Unternehmen, die mit dem Meer im weitesten Sinne zu tun haben, interessant ist. Die Resonanz ist prima. Das OTRO MODO SURFCAMP auf Fuerteventura veranstaltet Strandsäuberungen und schult seine Gäste im Umgang mit der maritimen Umwelt. Der belgische Reiseveranstalter XBOARDS hat seinen Gästen angeboten, einen Teil der Reisekosten an Umweltorganisationen zu spenden. Und das Clean Ocean Project bekommt nun etwas Geld. Klasse! Diese beiden Firmen haben sich das GREEN LABEL 2011 verdient. Und es sind noch andere dazu gekommen.

Die Vergabe möchten wir möglichst ohne viele Regeln entscheiden. Ein Unternehmen, das etwas ändern will, das unsere Idee teilt und verantwortlich mit Ressourcen umgeht, kann sich einfach bei uns melden. Wir werden uns dann austauschen und entscheiden, ob es ein GREEN LABEL verdient hat. Wir möchten sowohl kleine Initiativen wie auch größere Unternehmen erreichen. Es geht nicht nur darum, seinen Bulli auf elektrischen Antrieb umzurüsten. Es geht um ganz einfache Dinge wie dass man seinen Müll nicht am Strand liegen lässt und dass man keine Plastiktüten mehr benutzt. Also darum, die Sachen selbst in die Hand zu nehmen. Warum nicht zum Beispiel mit seinen Freunden ein „Beach cleaning“ am Lieblingsstrand organisieren? Auf unserer Webseite cleanoceanproject.org zeigen wir unter dem Feature „Clean your beloved Beach“ in drei einfachen Schritten, wie man es machen kann. Und schon kann es losgehen.

Stichwort Website. Du bestreibst dort auch einen kleinen COP-Online-Shop. Die Klamotten sind aus organischer Baumwolle und sind mit dem Label „Fair Trade“ ausgezeichnet. Ist da auch was für eine Landratte wie mich dabei?

(Wim:) Ja, wir verkaufen dort nur Klamotten, die aus organischer Baumwolle gemacht sind. Das sind unsere „Botschafter“. Durch den Verkauf können wir weiter machen. Ganz einfach. Und das Beste, Du brauchst für eine Bestellung nicht das goldene Seepferdchen vorzeigen. Wenn dir die Natur, der blaue Ozean am Herzen liegt, dann wird dir das T-Shirt gut stehen.

Wim, vielen Dank für deine Zeit und die fantastischen Fotos und viel Erfolg in der Zukunft!


Sky of blue | and sea of green | but the beach | is not so clean

Surfin' Safari mit Vierradantrieb

Who’s down with C.O.P.? Every last homie!

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