Dienstag, 29. Juni 2010

Sonnenöl im Sunshine State.

Organisiert vom Aktionsbündnis „Hands across the Sand“ hatten in Florida am 13. Februar mehrere tausend Menschen vor den Gefahren des Offshore Drillings gewarnt. Vier Monate später wurden an den weißen Sandstränden die ersten Tar Balls angespült. Heute betrachtet stimmen die zuversichtlichen Gesichter der Demonstranten traurig:

St. Augustine Beach in Florida, fünf vor Zwölf (Video: handsacrossthesand.com)

Informationen über aktuelle Aktionen gegen Offshore Drilling findet ihr auf der Website von
handsacrossthesand.com.

Donnerstag, 24. Juni 2010

Moorburgtrasse: Öffnet die BSU den Schellfischtunnel?

Der Schellfischtunnel – das Tor zu 50 Jahren Kohlekraft? (Foto: Flo Beck)

Das Gerücht kursiert seit längerem, jetzt ist es öffentlich: Vattenfall plant den Bau der Moorburgtrasse durch den Altonaer Hafenbahntunnel, besser bekannt als Schellfischtunnel.

Schützenhilfe bekommt der Konzern mal wieder von CDU und GAL. Obwohl beide Fraktionen „Kohle-Fernwärme prinzipiell klimapolitisch äußerst kritisch“ sehen, haben sie als willige Handlanger Vattenfalls die Prüfung der Nutzung bei der Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt (BSU) beantragt.


Was soll man davon halten? Hier der Versuch, mir eine Meinung zu bilden:

Pro: Ein Gutachten der TU Harburg kommt zum Schluss, eine wirtschaftliche Nutzung des Tunnels, etwa durch den ÖPNV, sei nicht möglich. Somit spricht nichts dagegen, ihn Vattenfall zur Verfügung zu stellen.

Contra: Der im Jahre 1875 errichtete Tunnel ist ein einzigartiges Zeugnis des wirtschaftlichen Aufstiegs Altonas. Daher sollte er – unter Denkmalschutz gestellt – Bürgern und Touristen zugänglich gemacht werden, ähnlich wie der 35 Jahre jüngere Alte Elbtunnel.

Pro: Eine Nutzung des Tunnels für die Fernwärmeleitung könnte auf einer Strecke von fast einem Kilometer Rodungen, Baulärm und Verkehrschaos verhindern.

Contra: Die Gesamtlänge der Moorburgtrasse wird etwa 12 Kilometer betragen. Auch wenn die Nutzung des Schellfischtunnels die Bewohner Altonas entlastet – Baumfällungen und weitere Eingriffe in die Tier- und Pflanzenwelt südlich der Elbe verhindert sie nicht.

Contra: Der Baustopp für die Moorburgtrasse war die letzte Hoffnung, das Kohlekraftwerk in Hamburg-Moorburg zu verhindern. Öffnet die BSU die Tore des Schellfischtunnels für Vattenfall, bindet sie unsere Stadt damit für Jahrzehnte an das klimaschädlichste Kohlekraftwerk Deutschlands.

Und hier ein paar Hintergründe:
Der
Schellfischtunnel wurde 1875 errichtet und ermöglichte den direkten Güterverkehr zwischen dem Fischereihafen Altona und dem Altonaer Bahnhof. Er beginnt unterhalb des Altonaer Balkons und endet, nach 951 Metern und einem Höhenunterschied von 30 Metern, östlich des Bahnhofs.

Seit 1992 wird der
Schellfischtunnel nicht mehr genutzt. Trotzdem wurde er zwischenzeitlich wegen Einsturzgefahr für die darüber verlaufenden Straßen saniert, weil das günstiger war, als ihn zuzuschütten. Trotzdem kam ein Gutachten der TU Harburg 2007 zu dem Ergebnis, für eine wirtschaftliche Nutzung sei der Verfall zu sehr vorangeschritten.

Alle Pläne, den Tunnel für
ÖPNV oder Fußgänger herzurichten, scheiterten letzen Endes an der Finanzierung.

Mittwoch, 23. Juni 2010

BP for sale: Ein Logo wechselt den Besitzer.

Während ich emsig Müßiggang und Laster fröne, anstatt zu bloggen, wurde das neue BP-Logo, das ich bei eBay eingestellt hatte, ersteigert. Zu meiner großen Verwunderung allerdings nicht von BP selbst, sondern von meinem geschätzten Freund und Arbeitskollegen Fleischie.

Ganz schön dumm von BP, dass sie nicht mitgeboten haben. Schließlich haben sie bald 50 Milliarden Schulden und man bekommt man nicht alle Tage ein so schönes Logo für nur 10,50 Euro. Alleine die Kosten für Farbe und Leinwand waren höher. Vielleicht hatte der Konzern auch ein Problem damit, dass der Erlös Greenpeace UK zugute kommen sollte.

Wie auch immer: Das Logo ziert nunmehr das Wohnzimmer eines Freundes. Und da es so gut zu seiner Kommode passt, hat er sich spontan entschieden, mir sein Maximalgebot von 30 Euro auszuzahlen. Diese umgerechnet 25 Pfund habe ich, wie versprochen, Greenpeace UK gespendet, damit sie den Schmierfinken von BP weiter in den Arsch treten.

Das hätte Ihr Logo sein können, Herr BP. Nun hängt es in Fleischies Wohnzimmer

Mehr Schmuck als Dreck: Schmieriges Schwarz

Mittwoch, 16. Juni 2010

Kommt die US-Energiewende tröpfchenweise?

Wenn ein US-Präsident vom Oval Office aus zum Volk spricht, bedeutet das nichts Gutes. Im aktuellen Fall gilt dies leider im doppelten Sinne. Denn neben dem traurigen Anlass bietet auch Obamas Rhetorik keinen Anlass zum Jubeln: Hier und da eine Kriegsmetapher, die angestrengte Vermeidung des Wortes „Klimawandel“, eine Prise „Yes we can“ – fertig.

Bildet euch eine eigene Meinung. Energiepolitik gibt
’s ab Minute zehn:


Wie beurteilt ihr Barack Obamas Rede zur Ölpest? (Video:
whitehouse.gov)

[update:] Immerhin hat Obama seine Drohung wahr gemacht und BP
20 Milliarden US-Dollar aus der Tasche gezogen. Die bill für den spill quasi.

Dienstag, 15. Juni 2010

Kreativ gegen Atomkraft: Campact.

Unsere Bundesregierung hält Laufzeitverlängerungen von sich fern wie einen Stock mit Scheiße an der Spitze, eine mögliche Entscheidung wurde auf Ende August vertagt; bevor sich die miserablen Umfragewerte weiter verschlechtern, schweigt man das unpopuläre Thema lieber tot.

Genau andersherum halten es deutsche Umweltverbände und schaufeln der Kernenergie ein Grab, der eine mit dem Spaten, der andere mit dem Bagger und sogar ich habe einen Teelöffel Erde weggeschafft: durch die Unterstützung der Aktion „Tödliche Nachbarn von Campact.

Am 26. Juni lässt die gemeinnützige Organisation vor der Kraftwerksruine in Krümmel mindestens 15.000 Naturkautschuk-Ballons steigen, um anhand von deren
Flugrouten vor der Bedrohung durch nuklearen Fallout zu warnen. Mit einer Spende ab 2,60 € könnt ihr einen Ballon beisteuern.

Der marode Reaktor Biblis war bereits am 12. Juni Schauplatz einer solchen Ballonaktion. Nachdem RWE die Durchführung auf der werkseigenen Kraftwerkszufahrt verboten hatte, starteten die rund 600 Demonstranten ihre 12.000 Ballons spontan von einem nahe gelegenen öffentlichen Weg aus:

Solange hier nur Ballons in die Luft gehen ... (Video: Campact @ YouTube)

> Zur Aktion
Tödliche Nachbarn von Campact


[update:] Genau wie RWE versuchte auch Vattenfall, die Demonstration zu unterbinden. Genützt hat es wenig. Hier seht ihr „meinen Ballon“ in Aktion:

13.000 Grüße vom tödlichen Nachbarn Krümmel (Video: Campact @ YouTube)

Montag, 14. Juni 2010

Achtung Spoiler!

Den folgenden Film der US-amerikanischen Comedy-Gruppe Upright Citizens Brigade, in dem BP-Mitarbeiter fast drei Minuten lang vergeblich die Folgen einer verschütteten Tasse Kaffee bekämpfen, kennen vermutlich viele schon. Aber eine üble Kombination aus Fußball-WM und Super Mario Galaxy 2 lassen die Zeit zum Schreiben knapp werden.

Und dann ist mir diese doofe Headline eingefallen. Darum:


Don't laugh over spilled oil (Video: UCBComdey @ Youtube)

Donnerstag, 10. Juni 2010

Eco-Fashion ist Ansichtssache.

Oft lese ich von „Eco-Fashion“ und wundere mich. Wird die Wegwerfmode von H&M zur Eco-Fashion, weil sie aus Ökobaumwolle besteht? Ist es Eco-Fashion, wenn KiK die Ware ohne Flugzeug vom Sweatshop zum Wühltisch schafft?

Es läge mir fern, derartiges Engagement zu verurteilen. Ich selbst verstehe unter Eco-Fashion aber zeitlose, hochqualitative Mode, die ein Leben lang hält. Mehr als die öden Ökoambitionen großer Konzerne interessieren mich daher kreative Upcycling-Konzepte, von denen ich zwei vorstellen möchte:

Glove Love.

Ich weiß nicht, ob ich schon mal einen einzelnen Handschuh weggeworfen habe. Aber ich habe große Lust, mir für diesen Winter einzelne Handschuhe zu kaufen. Und zwar zwei davon. Im Online-Shop von Do The Green Thing finden alte Single-Handschuhe einen neuen Partner – und frisch gewaschen und mit schickem Logo versehen schnell auch zwei neue Hände.


> Zum Do The Green Thing Glove Love Shop


Glove, glove, glove! (Video: dothegreenthing @ YouTube
)

Woolfiller.
Diese Erfindung der Niederländische Designerin Heleen Klopper macht aus löchrigen Klamotten schmucke Unikate. 2009 überzeugte ihre einfache Idee die Jury des DOEN | Materiaalprijs. 2010 dürfte für ihre Woolfiller ein eher schwieriges Jahr werden – ich wurde jedenfalls kürzlich beim Versuch, eine Hose ohne Löcher zu erwerben, schamlos von den Verkäufern ausgelacht.

> Zur Internetseite von Woolfiller


Endlich Schluss mit der Loch-Mode (woolfiller @ YouTube; via dothegreenthing)

Mittwoch, 9. Juni 2010

Tüten zu Tieren statt Tiertod durch Tüten.

Im Pazifik treibt ein Strudel aus Plastikmüll, so groß wie Mitteleuropa und wachsend. Vielleicht wurde dort die eine oder andere Muschel sesshaft. In erster Linie jedoch bildet diese schwimmende Deponie eine tödliche Gefahr für Meeresbewohner, beispielsweise verwechseln Schildkröten den Müll mit Quallen, ihrer Leibspeise, und verhungern daran mit vollem Magen.

Ich finde, dieser traurige Umstand lässt die Arbeit der Designerin Helle Jorgensen in noch gleißenderem Glanz erstrahlen. Die Australierin nimmt Plastiktüten, potentielle Todesbringer für Meerestiere, und häkelt daraus – Meerestiere! Eine ihrer tollen Kreaturen zeige ich mit ihrer freundlichen Erlaubnis hier auf dem Suttnerblog
(Danke Lana!):


Tote Kreaturen, die Leben retten? (Foto: Helle Jorgenson @ Flickr)

> DIY: Wie häkelt
Helle Jorgensen Tiere aus Tüten?
> Helle Jorgensen’s shop

Sonntag, 6. Juni 2010

Pausenfüller.

Eitel Sonnenschein duldet heute keinerlei Tätigkeit jenseits des müden Griffs zum kühlen Glas. Die Unglückseligen, denen es dennoch nach virtueller Unterhaltung dürstet, mögen sich an diesem Cartoon von Pulitzer-Preisträger Mark Fiore laben:

Mehr Cartoons zu aktuellen politischen Themen findet ihr auf Mark Fiore's Internetseite

Donnerstag, 3. Juni 2010

CarrotMob Hamburg im Schanzenviertel.


Facebook, StudiVZ, Twitter – der CarrotMob Hamburg macht keine Gefangenen

Vor der Peitsche sollte man immer das Zuckerbrot zücken. Zum Beispiel in Form eines
CarrotMob. Bei einer solchen Veranstaltung verpflichtet sich ein Einzelhändler, Teile des Tagesumsatzes in die Nachhaltigkeit seines Ladens zu investieren, etwa durch sparsamere Elektrogeräte, bessere Wärmedämmung oder den Wechsel zu Ökostrom. Im Gegenzug rennt ihm die öko-affine Kundschaft die Hütte ein, wohlwissend, dass jedes erworbene Produkt dem Klimaschutz zugutekommt.

Beim ersten Hamburger CarrotMob könnt ihr tatsächlich Karotten kaufen:
  • am Samstag den 05.06.2010
  • von 11:00 bis 15:00 Uhr
  • im Yesilirmak Markt in der Schanzenstraße 5
  • 40% des Umsatzes werden in klimaschonende Maßnahmen investiert
Mehr Informationen findet ihr bei hamburg.carrotmob.org

Mehr KarottenMob auf dem Suttnerblog:
> Die Karotten und das Klima

Mittwoch, 2. Juni 2010

Rebranding BP in 4 steps.

Nicht ohne Stolz darf ich verkünden, dass mein treuer Freund Tizzle dem BP-Konzern ein wundervolles neues Logo zu kreieren wusste. Sobald ich meine eBay-Zugangsdaten wiederfinde, veräußere ich das Meisterwerk meistbietend (vermutlich an mich selbst) und spende den Gewinn Greenpeace.

[update:] Die
eBay-Auktion ist eröffnet!

Abb. 1: Modernste Sicherheitstechnologie schützt die sensible Leinwand

Abb. 2: Vorsichtig wird die neue Corporate Color aufgetragen

Abb. 3: Miese Psychedelic Art ohne jeden Bezug zur Marke

Abb. 4: Le voilà – der neue Look für 2.500 Aral-Tankstellen!

Mehr über diese Aktion auf dem Suttnerblog:
> Wer hat Ideen für das neue BP-Logo?
> Designwettbewerb für das neue BP-Logo.

Dienstag, 1. Juni 2010

Eine umwerfende Anti-Atom-Kampagne.


Wenn trotz Atomenergie die Lichter ausgehen (Video:
Flashmob1000 @ Youtube)


Viel Beachtung findet gerade die preisgekrönte Schweizer Werbeagentur Walker mit ihrer Internetseite „Sicherer Strom“ und dem dazugehörigen Viral-Film „Zonenplan“, den ihr euch oben ansehen könnt.

Kritiker mögen nun maulen, bei einem nuklearen Zwischenfall kippe niemand auf der Stelle tot um. Da haben Sie Recht. Selbst an akuter Strahlenkrankheit stirbt man selten ohne Übelkeit und Erbrechen.

Als schlimmste anzunehmende Folge eines Reaktorunglücks in Krümmel prognostiziert die Physikerin Oda Becker von der Fachhochschule Hannover eine Sterblichkeitsrate von 20 % auf der Reeperbahn. Es interessiert mich wenig, dass die Frau keinen Lehrstuhl für Reaktorsicherheit inne hat. Schließlich berechnet sie nur mögliche Ausbreitungen radioaktiver Strahlung.

Und eines ist sicher: Im Ernstfall stünde Vattenfall ähnlich hilflos da wie derzeit BP. Das dokumentiert die NDR-Reportage mit dem reißerischen Titel „Die Atomlüge“ in erschreckenden Bildern:


Die übrigen vier Teile findet ihr auf Youtube, z.B. bei docjus