Montag, 1. November 2010

Wie integer ist Entega?

Tag der offenen Kühlschranktür in Hamburg – schön inszeniert von DDB Berlin

Wenn ein Stromanbieter dazu aufruft, den heimischen Energieverbrauch zu senken, ist mir das sympathisch. Wenn er dafür ein Iglu aus 322 alten Kühlschränken auf den Gänsemarkt stellt, deren Abluft das Innere auf tropische Temperaturen erhitzt, und diese skurrile Szenerie noch mit einem mannshohen Stromzähler flankiert, schreit mein Werberherz „Chapeau
. Mein Ökogewissen fragt: Was taugt der Strom, der hier so charmant beworben wird? Nach einiger Recherche komme ich zu folgendem Ergebnis:

1. Indirekte Finanzierung von Atom- und Kohlestrom.
Entega gehört über die HSE zu 40 % der E.ON AG. Von 100 Euro, die ihr bei Entega für Ökostrom ausgebt, gehen also 40 direkt an einen Atom- und Kohlestromkonzern. Solange sich daran nichts ändert, solltet ihr euch für einen anderen Anbieter entscheiden.

2. Mangelnde Transparenz.
Dass der Strom, den Entega anbietet, aus norwegischen Wasserkraftwerken stammt, wird auf der Internetseite mit keinem Wort erwähnt. Dafür ist dort von milliardenschweren Investitionen
der HSE in erneuerbare Energien die Rede, die sich im Strommix von Entega nicht wiederfinden.

Mein Fazit daher: Freut euch über die gelungene Werbung. Senkt euren Energieverbrauch. Und bezieht Ökostrom bei einem empfehlenswerten Anbieter.

[update:]
1. Indirekte Finanzierung von Atom- und Kohlestrom.
Zum Januar 2011 will die Stadt Darmstadt Entega von E.ON freikaufen, sie genießt dafür ein Vorkaufsrecht. (Danke Mohnstar)

2. Mangelnde Transparenz.
Laut HSE soll bis 2015 mindestens 20 % des Entega-Stroms aus eigenen Anlagen stammen. Warum finden sich derlei Informationen nicht auf der Internetseite von Entega? Statt Werbung und eines dahinsiechenden Twitter-Accounts wünsche ich mir relevante Inhalte auf der Firmenwebsite und das Beantworten von E-Mails.

Kommentare:

  1. Ist eine Goldidee von DDB:
    http://www.horizont.net/aktuell/agenturen/pages/protected/DDB-inszeniert-fuer-Entega-den-Stromfresser_95976.html

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  2. Eine Goldidee, die 500.000 Euro gekostet hat? Wohl kaum. Manche Kunden geben für eine gute Idee tatsächlich noch Geld aus.

    http://klimaretter.info/wirtschaft/hintergrund/5068-bezahlte-schneemaenner-demonstrieren-lassen

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  3. Es sei erwähnt, dass der Mutterkonzern der Entega den angesprochenen 40%-Anteil von EON zurückkaufen wird. Gründliche Recherche sieht für mich anders aus. Ich verfolge den Blog schon lange - aber etwas mehr Gründlichkeit bei der Recherche fände ich angebracht.

    Das Thema Wasserkraftwerke in Norwegen finde ich hingegen interessant recherchiert. Verwunderlich, dass man das auf der Unternehmenswebsite nicht angibt.

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  4. Was ich gerade noch sehe (ich habe den Vorbeitrag geschrieben) :

    Greenpeace Energy bezieht einen Teil seines Stroms aus einem Wasserkrafterk in Melk in Österreich (vgl.: http://www.greenpeace-energy.de/oekostrom/strommix/lieferantenkraftwerke.html).

    Greenpeace Energy schreibt "Wir wählen unsere Lieferanten nach strengen Maßstäben aus: Selbstverständlich muss der Strom, den wir beziehen, aus sauberen Kraftwerken stammen. Darüber hinaus sollten unsere Lieferanten eine ökologische Geschäftspolitik verfolgen und nicht über Beteiligungen mit Kohle- und Atomstromkonzernen verflochten sein." (vgl.: ebenda)

    Laut Wikipedia (sicherlich anderweitig verifizierbar) heißt es: "Die österreichische Nichtregierungsorganisation Umweltdachverband vergab die „Atombirne 2009“ an die VERBUND-Austrian Power Sales GmbH, die Vertriebstochter des Verbund. Sie stehe an der Spitze der "Atomstromverkäufer" in Österreich, während die Muttergesellschaft Verbund mit Strom aus sauberer Wasserkraft werbe.[8] Sie beruft sich auf Stromkennzeichnungsbericht 2009[9] der Energie-Control GmbH, laut dem die VERBUND-Austrian Power Sales GmbH 89 % der verkauften Energie aus dem UCTE-Mix bezog, der seinerseits einen Atomstromanteil von 30 % hat. Bereits im Jahr 2008 vergab der Umweltdachverband die Uran-Birne 2008 an die VERBUND-Austrian Power Sales GmbH, da diese zu 100 % UCTE-Mix verkaufte." (vgl.: http://de.wikipedia.org/wiki/%C3%96sterreichische_Elektrizit%C3%A4tswirtschafts-AG#Kritik)

    Greenpeace bricht somit seine "Prinzipien" (die sie meiner Meinung nach ohnehin nie wirklich hatten) und ist für mich als Alternative aus dem Rennen.

    Lichtblick könnte noch eine vernünftige Alternative sein. Aber Greenpeace ist unglaubwürdig.

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  5. Hallo Mohnstar,

    vielen Dank für deine Kommentare.

    @17:28:
    Dass die HSE Entega von E.ON freikaufen will, habe ich auch gelesen. Eine zitierbare Quelle, etwa in Form einer Presseinformation, konnte ich nicht finden. Daher die Formulierung „Solange sich daran nichts ändert“.

    Du hast aber Recht, mein Text verrät wenig Substantielles. Da ich selbst noch viele Fragen an Entega habe, wollte ich an dieser Stelle ursprünglich ein Interview führen. Leider blieb meine Anfrage bis heute ohne Reaktion.

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  6. @17:35:
    WTF! Ich werde mich mal bei Greenpeace Energy erkundigen, was es damit auf sich hat. So geht es ja nun nicht.

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  7. Hallo Ben,

    nimm mal den hier:
    http://www.faz.net/s/Rub8D05117E1AC946F5BB438374CCC294CC/Doc~E06CF96CD734B4814B489E191CBD3A21A~ATpl~Ecommon~Scontent.html

    Das mit Greenpeace hat mich ehrlich gesagt nicht wirklich gewundert - wenn man lange genug guckt, findet man meiner Meinung nach bei jedem irgendwo einen Angriffspunkt. Sobald man den Strom nicht selbst herstellt, sondern einkauft (und das machen fast alle) kann man seine Hände NIE 100Pro in Unschuld waschen.

    Da meistens irgendwie irgendwo eine Beteiligung drinhängt, die "nicht ganz sauber" ist...

    Ich bin ganz gut in der Materie drin - wenn Du da noch Tips/Fragen brauchst...

    Gruß M

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  8. @Mohnstar Auch Lichtblick bezieht einen geringen Anteil seines Stroms aus einem Kraftwerk der VERBUND‐Austrian Hydro Power AG (AHP). Der einzige Anbieter, bei dem das nicht der Fall ist, sind die EWS. Eine detaillierte Übersicht der Bezugsquellen gibt es bei Robin Wood.

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  9. Inzwischen finanzieren auch Kunden der EWS indirekt geringfügig E.on. Hier findet ihr den Robin Wood Recherchebericht 2011.

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