Montag, 11. Oktober 2010

Bahn frei für Kohlestrom.

Zu meiner Grundschulzeit galt „öko“ als Synonym für „langweilig“. Mitschüler, deren Eltern im Reformhaus kauften, genossen mein aufrichtiges Mitleid, mussten sie doch vegetarische Hartweizen-Nudeln ertragen, während mich Mama Mirácoli mit kiloweise Bolognese verwöhnte.

Heute rangiert das Thema Nachhaltigkeit irgendwo zwischen „sexy“ und „Mainstream“. Die Nachfrage hat meine ehemals verhassten Bio-Nudeln sogar bei Aldi ins Regal gebracht. Leider kämpfen deswegen auch solche Firmen um ihr Stück vom Öko-Kuchen, die den Tisch gar nicht gedeckt haben.

Besonders enttäuscht mich das aktuelle Greenwashing der Deutschen Bahn. Völlig zu Recht hat der Konzern den Klimaschutz als Wettbewerbsvorteil entdeckt. Dennoch möchte er mindestens 40 Jahre lang Strom aus Datteln 4 beziehen, einem im Bau befindlichen Kohlekraftwerk, das etwa 6,2 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr ausstoßen wird.

Vor diesem Hintergrund ist das „DB Eco Program“, wie die Deutsche Bahn ihr Engagement für den Klimaschutz hochtrabend nennt, ein schlechter Witz. Denn vom CO2-neutralen Reisen bis zum umweltfreundlichen Urlaub haben viele der Maßnahmen eines gemeinsam: Die Bahn zahlt nur die Werbung, den Klimaschutz der Kunde.

Trotz ihres dreckigen Strommixes ist die Deutsche Bahn das mit Abstand
klimafreundlichste Fortbewegungsmittel für längere Reisen. Doch statt dieses Potential durch den Bezug von echtem Ökostrom auszubauen, fährt das Unternehmen eine verlogene Doppelstrategie aus Kohlestrom und Klimaschutz – und riskiert, dass ihr dabei das grüne Image entgleist.

> Greenpeace über die Energiepolitik der Deutschen Bahn (PDF)
> Greenpeace über das Kohlekraftwerk Datteln 4 (PDF)


Klimaschutz à la Deutsche Bahn: Fernseher aus – Stecker raus (Film: Deutsche Bahn)

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