Donnerstag, 24. Juni 2010

Moorburgtrasse: Öffnet die BSU den Schellfischtunnel?

Der Schellfischtunnel – das Tor zu 50 Jahren Kohlekraft? (Foto: Flo Beck)

Das Gerücht kursiert seit längerem, jetzt ist es öffentlich: Vattenfall plant den Bau der Moorburgtrasse durch den Altonaer Hafenbahntunnel, besser bekannt als Schellfischtunnel.

Schützenhilfe bekommt der Konzern mal wieder von CDU und GAL. Obwohl beide Fraktionen „Kohle-Fernwärme prinzipiell klimapolitisch äußerst kritisch“ sehen, haben sie als willige Handlanger Vattenfalls die Prüfung der Nutzung bei der Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt (BSU) beantragt.


Was soll man davon halten? Hier der Versuch, mir eine Meinung zu bilden:

Pro: Ein Gutachten der TU Harburg kommt zum Schluss, eine wirtschaftliche Nutzung des Tunnels, etwa durch den ÖPNV, sei nicht möglich. Somit spricht nichts dagegen, ihn Vattenfall zur Verfügung zu stellen.

Contra: Der im Jahre 1875 errichtete Tunnel ist ein einzigartiges Zeugnis des wirtschaftlichen Aufstiegs Altonas. Daher sollte er – unter Denkmalschutz gestellt – Bürgern und Touristen zugänglich gemacht werden, ähnlich wie der 35 Jahre jüngere Alte Elbtunnel.

Pro: Eine Nutzung des Tunnels für die Fernwärmeleitung könnte auf einer Strecke von fast einem Kilometer Rodungen, Baulärm und Verkehrschaos verhindern.

Contra: Die Gesamtlänge der Moorburgtrasse wird etwa 12 Kilometer betragen. Auch wenn die Nutzung des Schellfischtunnels die Bewohner Altonas entlastet – Baumfällungen und weitere Eingriffe in die Tier- und Pflanzenwelt südlich der Elbe verhindert sie nicht.

Contra: Der Baustopp für die Moorburgtrasse war die letzte Hoffnung, das Kohlekraftwerk in Hamburg-Moorburg zu verhindern. Öffnet die BSU die Tore des Schellfischtunnels für Vattenfall, bindet sie unsere Stadt damit für Jahrzehnte an das klimaschädlichste Kohlekraftwerk Deutschlands.

Und hier ein paar Hintergründe:
Der
Schellfischtunnel wurde 1875 errichtet und ermöglichte den direkten Güterverkehr zwischen dem Fischereihafen Altona und dem Altonaer Bahnhof. Er beginnt unterhalb des Altonaer Balkons und endet, nach 951 Metern und einem Höhenunterschied von 30 Metern, östlich des Bahnhofs.

Seit 1992 wird der
Schellfischtunnel nicht mehr genutzt. Trotzdem wurde er zwischenzeitlich wegen Einsturzgefahr für die darüber verlaufenden Straßen saniert, weil das günstiger war, als ihn zuzuschütten. Trotzdem kam ein Gutachten der TU Harburg 2007 zu dem Ergebnis, für eine wirtschaftliche Nutzung sei der Verfall zu sehr vorangeschritten.

Alle Pläne, den Tunnel für
ÖPNV oder Fußgänger herzurichten, scheiterten letzen Endes an der Finanzierung.

1 Kommentar:

  1. Egal ob dieser Tunnel dazu benutzt wird oder ob noch über einen Kilometer mehr die Bäume gefällt werden. Die Nutzung von Fernwärme aus einem Kohlekraftwerk ist einfach hirnrissig

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