Mittwoch, 26. Mai 2010

Elektroautos: eine Misserfolgsgeschichte.

Viele Menschen halten Elektroautos für klimafreundlich. Ich halte sie für das nächste große Greenwashing der Auto- und Stromkonzerne. Über Jahrzehnte hinweg haben es deutsche Unternehmen verschlafen, diese Technologie weiterzuentwickeln. Jetzt fordern sie genau dafür ungeniert Milliarden von der Bundesregierung. Bis das Klima davon profitiert, werden weitere Jahrzehnte vergehen. Wer sofort profitiert? Anbieter von Spritfressern und Kohlestrom.

Warum freut sich die Autoindustrie?


Umgehung von EU-Strafen.

Die Überschreitung der CO2-Grenzwerte für Neuwagen wird von der EU bestraft.
Elektroautos werden hier CO2-neutral angerechnet
– obwohl sie durch unseren Strommix mehr emittieren, als Fahrzeuge mit sparsamem Verbrennungsmotor. So können Hersteller einen zu hohen CO2-Wert ihrer Neuwagenflotte bequem ausgleichen.

Steigerung des Absatzes.

Mit einer Reichweite von unter 200 km kommen Elektroautos derzeit höchstens als Zweit- oder Drittfahrzeug in Frage. Somit sind sie keine Konkurrenz für bestehende Baureihen, sondern ein nettes Zusatzgeschäft.


Warum freut sich die Stromindustrie?


Neuer Markt für dreckigen Kohlestrom.

Stromkonzerne inszenieren sich mit E-Tankstellen als Klimaschützer. Der Strom stammt aus dem deutschen Energiemix und besteht zu über 40 % aus Kohlestrom. Eine Förderung der Erneuerbaren Energien findet nicht statt.

Die ersten sieben Minuten folgender Sendung kann ich empfehlen:
> ARD-Magazin Monitor: Elektroautos statt Klimaschutz?

Weitere Quellen zum Thema:
> Klima Lügendetektor: RWE – Autostrom aus unbekannter Quelle
> Wir Klimaretter: Großer Rummel um das Elektroauto
> SpOn: Brüssel blamiert sich mit CO2-Kompromiss

Kommentare:

  1. Dreckiger Strommix in Deutschland, schlechte Wirkungsgrade in den Kraftwerken, massive Stromverluste beim Transport über Land - und trotzdem sind laut ADAC nur "einige kleinere Diesel" umweltfreundlicher als ein Elektroauto. Das spricht doch wohl eindeutig fürs Elektroauto.

    So schlecht kann die Technik nicht sein. Wohl aber der einseitige Monitor-Bericht. Es glaubt ja wohl keiner, dass hinter jeder E-Zapfsäule ein extra Windrad steht. Dass da Ökostrom rauskommt, ist eine PR-Lüge, aber kein Gegenargument zum Elektroauto.

    Die einzige wichtige Info: Mit dem Verkauf von Elektroautos können Hersteller ihre CO2-Bilanz reinwaschen. Hier hat Monitor mal aufgeklärt und nicht nur Vorurteile bedient oder Binsenweißheiten verbreitet wie sonst im Bericht (Subventionen zu hoch, schlechter Strommix, keine serienreife Technik, RWE der Böse unter Bösen, viele E-Autos bislang nur Prototypen, …)

    Für das Sommerloch hat die Monitor-Redaktion vielleicht einen Bericht über die Lithium-Akkus in der Hinterhand und berichtet dann über deren Schwächen und darüber, dass gar nicht genug Lithium weltweit vorhanden ist, um alle Autos mit Batterien auszustatten. Aber auch das hat nichts damit zu tun, dass Elektromotoren einen wesentlichen höheren Wirkungsgrad haben als Verbrennungsmotoren. Wir sollten also darauf setzen - denn Segelautos werden sich kaum bewähren.

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  2. Es sind sich wohl alle darüber einig, dass Elektroautos langfristig die Zukunft gehört. Wenn sie vorerst als Feigenblatt für Spritschleudern und klimaschädlichen Kohlestrom dienen, finde ich das aber schade.

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