Freitag, 4. Dezember 2009

Vom vergebenen Willen, etwas zu bewegen.

Schon als kleiner Junge bewunderte ich die Menschen, die im Fernsehen für den Umweltschutz kämpften – gegen den Walfang, gegen die Versenkung der Brent Spar, gegen Kernkraft. Doch die Walfänger, die Öltanks, die Reaktoren, alle waren sie weit weg und ich nur ein Kind. Der Wunsch, selber einmal auf einem Kraftwerk zu stehen und ein Transparent zu entrollen, illusorisch. Jetzt bin ich dreißig und gestern haben zwei mir unbekannte Menschen einen Baum besetzt, und das quasi in meinem Vorgarten. Einen Baum stellvertretend für fast 400, die im Grünzug Altona fallen sollen, einfach weggeholzt für einen zehn Meter breiten Baugraben, der uns Bürgern mehrere Kilometer Park für fast vier Jahre entreißen wird.

Anders als bei einer Hausbesetzung hat der Grünzug Altona keinen Besitzer: Er gehört nicht Vattenfall und auch nicht der Bezirksverwaltung. Er gehört den Kindern, die darin toben, den Joggern, den Menschen, die dort Grillen und Federball spielen, den Rentnern, die auf den Bänken sitzen und zuschauen. Es sind unsere Bäume, die hier gefällt werden sollen und das Bezirksamt hätte verdammt noch mal gut daran getan, uns zu fragen, was wir von dieser unglückseligen Fernwärmetrasse halten. Stattdessen wurde Vattenfall die Baugenehmigung hinter unserem Rücken erteilt, auf einer wackeligen rechtlichen Grundlage, gegen die der BUND Hamburg Klage eingereicht hat.

Und was ist mit dem Mann, der als kleiner Junge gerne im Schlauchboot gegen Walfänger gekämpft hätte? Holt er seinen Schlafsack und klettert zu den Besetzern auf den Baum? Bastelt er ihnen Transparente, um sie von dort zu entrollen? Bringt er Glühwein, Brote, Decken, bekundet seine Bewunderung? Nein. Er schießt hastig ein paar Fotos und verschwindet zur Arbeit, zurück in die geregelte Anonymität seines Lebens.

Solidarisiert euch mit den Baumbesetzern! Besucht am Sonntag den Trassenspaziergang der Initiative „Moorburgtrasse stoppen!“. Und lasst nicht zu, dass andere bestimmen, ob in unseren Parks in Zukunft noch Bäume stehen oder nur Bauwagen von Vattenfall!

In fünf Metern Höhe warten seit gestern zwei Baumbesetzer auf die Motorsägen


Dies ist nur einer von rund 400 Bäumen, die Vattenfall in Altona fällen wird

[update:] Friederike Gräff von der taz war weniger schüchtern als ich und führte ein Interview mit den Baumbesetzern.

Kommentare:

  1. denen gar nicht zu helfen ist voll asi! jetzt mach endlich was. die müssen ja auch irgendwann mal auf toilette oder duschen, sonst stinkt der park bald dermassen dass eh keine kinder mehr darin spielen wollen.

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  2. Hi Nicolas.

    Deinem Zynismus entnehme ich, dass der Grünzug Altona dich nicht interessiert. Für mich als Anwohner hingegen bedeuten diese Parks ein Stück Lebensqualität. Wer sich für ihren Erhalt einsetzt, vertritt damit meine Interessen. Daher empfinde ich es tatsächlich als „voll asi“, wenn ich die beiden Baumbesetzer nicht unterstütze.

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