Sonntag, 13. Dezember 2009

Der Vattenfall-Wald.

Mit der Baumbesetzung im Gählerpark kommt neuer Schwung in den Protest gegen den Bau der Vattenfall-Fernwärmetrasse, deren Streckenverlauf durch mehrere Kilometer öffentlicher Parks über unsere Köpfe hinweg entschieden wurde. Im Gespräch mit Welt Online teilt uns der Hamburger Vattenfall-Chef Rainer Schubach mit, was er von Forderungen nach Bürgerbeteiligung hält:
„Die Weltoffenheit in dieser Stadt nimmt ab, die Interessen der Bürger werden immer kleinteiliger.“ Auf Deutsch: Die Interessen der Hamburger Bürger interessieren mich einen Scheißdreck. Was wollen diese Arschlöcher überhaupt?
Und trotz seiner offenen Verachtung gegenüber den Menschen, denen er ja immerhin seinen Kohlestrom zu verkaufen gedenkt, macht er Zugeständnisse:
  • es wird nicht länger als sechs Monate am Stück an einem Ort gebaut
  • dafür wird an den 23 Bauabschnitten teilweise zeitgleich gearbeitet
  • die Stahlträger für die Baugrube werden nicht laut in den Boden gerammt, sondern leise in vorgebohrte Löcher eingesetzt
  • Von den 397 zu fällenden Bäumen werden 260 durch 12 bis 15 Jahre alte Bäume ersetzt
Scheinbar will Rainer Schubach nicht begreifen, dass mehrjährige Bauarbeiten und ein paar hundert gefällte Bäume für uns Hamburger das kleinste Problem sind. In erster Linie geht es hier immer noch um 8,5 Millionen Tonnen CO2, die sein Kohlekraftwerk jedes Jahr ausstoßen wird – für Kohlestrom, den er uns die nächsten 50 Jahre lang zu überzogenen Preisen zu verkaufen gedenkt. Und das finde ich unerträglich.

Übrigens: Von den Ersatzbäumen wird wohl keiner in einem der Parks stehen, wo er fehlt. Schließlich muss die Fernwärmeleitung jederzeit für Reparaturen erreichbar sein. Wie wäre es denn, mit den Setzlingen einen Vattenfall-Wald um das Kohlekraftwerk in Hamburg-Moorburg herum zu errichten? So wäre dem Umweltschutz Genüge getan und gleichzeitig hätte man einen nützlichen Schutzwall vor lästigen Demonstranten.

> Bei Hamburg 1 findet ihr einen TV-Beitrag zur Baumbesetzung im Gählerpark

Kommentare:

  1. Na, super...

    ein kleines DAGEGEN-Schild in der Hand, oder?

    Wollt ihr wirklich in ganz HH Gasetagenheizungen installieren?

    Oder Wärme aus Mülltonnen? Da kann man sich in der Gruppe drum versammeln und lecker ALDI-Schnaps saufen. Und den Weg zum ALDI machen wir dann mit dem Fahrrad,wegen der Umwelt....

    Der Mike
    (der WIRKLICHEN Klimaschutz will)

    AntwortenLöschen
  2. Hi Mike.

    Vielen Dank für deinen Kommentar. Mich würde interessieren, was du unter WIRKLICHEM Klimaschutz verstehst. Vielleicht hast du mich auch einfach nur falsch verstanden. Ich finde Fernwärme eine gute Sache. Aber trotz Kraft-Wärme-Kopplung wird der Wirkungsgrad des Kohlekraftwerks in Hamburg-Moorburg nur bei 55 % liegen, 45 % der Energie gehen als Abwärme unter anderem in die Elbe.

    Auch, dass das Kraftwerk mit ca. 1.640 MW die vierfache Energiemenge der alten Anlage in Hamburg-Wedel produzieren soll, ist mir unverständlich. Offenbar wird Vattenfall einen Teil des Stroms exportieren. Das ist nicht in meinem Interesse.

    Eine mögliche Alternative könnten dezentrale Mini-Blockheizkraftwerke sein, wie Volkswagen und Lichtblick sie bauen.

    Der Ben
    (der Schnaps von ALDI gerne mag)

    AntwortenLöschen
  3. beinhaltet das trinken von ALDI schnaps nicht gleich, dass man gar keine von außen zugeführte wärme mehr benötigt??

    AntwortenLöschen
  4. Das wäre dann wirklicher Klimaschutz. Denn der Vodka von ALDI hält nicht nur schön warm, er kommt auch aus Deutschland – beim Transport entsteht also viel weniger CO2 als z.B. bei der Konkurrenz aus Russland. Prost!

    AntwortenLöschen