Dienstag, 13. Oktober 2009

Interview: Ökostrom von NaturWatt auf dem Prüfstand.


NaturWatt Geschäftsführer Dr. Martin Baumert (3. v. r.) vor einer geförderten Photovoltaikanlage

Die vier unabhängigen, deutschen Ökostromanbieter sind nicht die einzigen, deren Strom zu 100% aus erneuerbaren Energien besteht. Heute nehme ich die NaturWatt GmbH genauer unter die Lupe, die seit 2008 bundesweit die Versorgung mit Ökostrom anbietet. Jan Schoenmakers, Online-Marketing Verantwortlicher bei NaturWatt, hat sich bereit erklärt, in einem Interview Rede und Antwort zu stehen.

Erst einmal vielen Dank, dass du dir die Zeit für dieses Interview nimmst. Vielleicht möchtest du dich den Lesern kurz vorstellen?

(
Jan Schoenmakers:) Gerne und danke für die Gelegenheit! Ich bin 27, wohne in Bremen und kümmere mich seit gut einem Jahr um das Online-Marketing von NaturWatt. Ursprünglich komme ich aus der Öffentlichkeitsarbeit und habe mich vorher mit der Kommunikation für Hard- und Softwareprodukte beschäftigt. Erneuerbare Energien fand ich zwar immer sehr wichtig, aber Strom kam für mich aus der Steckdose, da habe ich nicht viel drüber nachgedacht – wie die meisten Verbraucher. Das hat sich radikal geändert, als ich NaturWatt für mich entdeckt habe. Inzwischen bin ich auf dem besten Weg zum Ökostrom-Apostel.

Vielen Kunden ist es wichtig, dass ihr Ökostromanbieter auch indirekt keine durch Atom- und Kohlestrom finanzierte Muttergesellschaft begünstigt oder unter dem Einfluss einer solchen steht.

90% der NaturWatt GmbH gehören der EWE AG, deren Strommix 2007 zu 78,4% aus Kernenergie und fossiler Energie bestand. Die EnBW AG, die viel Geld in Image-Werbung steckt und wenig in erneuerbare Energien, wird mit 26% bei der EWE AG einsteigen.

Welchen Einfluss haben diese beiden Konzerne auf NaturWatt und profitieren sie direkt oder indirekt vom Geld der NaturWatt Kunden?

Wir schütten Gewinne nicht an unsere Gesellschafter
die EWE sowie die Stadtwerke Emden und Norden aus, sondern verwenden sie zweckgebunden zum Ausbau und zur Förderung erneuerbarer Energien. Uns ist es wichtig, dass das Geld, das unsere Kunden für ihren Ökostrom zahlen, auf jeden Fall wieder in erneuerbare Energien fließt.

Die EWE hat als unser Hauptgesellschafter natürlich Einfluss auf uns. Sie hat uns bei der Gründung zwei Aufgaben gegeben: Nachfrage für erneuerbare Energien zu schaffen um sie erfolgreich an den Markt zu bringen und den Ausbau erneuerbarer Energien zu fördern. Die Gewinnverwendung zeigt dabei, dass es unsere Gesellschafter ernst gemeint haben. Als regionaler Vollversorger hat die EWE andere Schwerpunkte als wir, investiert allerdings selbst sehr viel in regenerative Erzeugung. Insofern decken sich unsere Ziele, was erneuerbare Energien betrifft.

Die EnBW sind nicht Gesellschafter bei NaturWatt und halten lediglich eine Minderheitsbeteiligung an der EWE. Bei der neuen Kooperation von EWE und EnBW geht es vor allem um Synergien bei Windkraft und Gas, nicht um den Ökostromhandel, zumal die EnBW mit NaturEnergie ihre eigene Ökostromtochter hat.

Wie du schon sagtest, verwendet die NaturWatt GmbH gemäß ihrem Gesellschaftervertrag Gewinne ausschließlich für Ausbau und Förderung erneuerbarer Energien.

Welche Rolle spielt ein völlig unrentables Unternehmen in einem Konzerngefüge mit EWE und EnBW?


Wir sind durchaus nicht unrentabel und arbeiten natürlich mit dem Ziel der Gewinnerzielung. Richtig ist, dass unsere Gesellschafter auf Grund unserer Gewinnverwendung auf Rendite verzichten, um andere Ziele zu verwirklichen: Wir sind als erster Norddeutscher Ökostromanbieter gestartet und haben so in den letzten 11 Jahren wichtige Erfahrungen sammeln können, wie man Ökostrom einkauft, an den Markt bringt, die Qualität sicherstellt und das Produkt den Verbrauchern vermittelt. Das sind Kompetenzen, von denen auch unsere Gesellschafter profitieren und die wir in Form von Kooperationen auch anderen Stromversorgern zuteil werden lassen. Als Vorversorger beliefern wir mittlerweile 39 regionale Versorger
von Stadtwerken bis zur EWE mit NaturWatt-Ökostrom. Gerade für kleinere Stadtwerke ist das ein Angebot, dass es ihnen überhaupt erst ermöglicht, grünen Strom ins Sortiment aufzunehmen.

Anbieter wie Greenpeace Energy garantieren eine sogenannte zeitgleiche Versorgung. Dabei wird immer genau die benötigte Menge an Ökostrom ins Netz eingespeist, ein Zukauf an der Strombörse oder über RECS-Zertifikate ist ausgeschlossen.

Wie gestaltet sich die Stromeinspeisung bei NaturWatt? Werden RECS-Zertifikate gehandelt?

Eine zeitgleiche Versorgung würde bedeuten, in jedem Moment genau die Menge an Strom einzuspeisen, die exakt dann von unseren Kunden verbraucht wird. Dafür müsste der Verbrauch jedes Haushalts in sehr kurzen Abständen genau gemessen werden. Bei Privatkunden sind diese Vorraussetzungen aber in der Regel technisch nicht erfüllt, so dass die Verbrauchsmessung nur rückwirkend, meist mit einer Jahresabrechnung erfolgt. Wir kaufen unseren Strom daher mengengleich ein. Unsere Lieferung richten wir aber natürlich am Standardlastprofil aus
also dem durchschnittlichen Verbrauchsverlauf eines Haushalts in Deutschland über den Tag hinweg. Das ist die beste Annäherung an eine tatsächliche zeitgleiche Versorgung, die zurzeit möglich ist.

NaturWatt bezieht den Strom über direkte Lieferverträge von den einzelnen Erzeugeranlagen. Wir bestehen dabei auf einem Nachweis über die physikalische Stromlieferung. Wir kaufen also den tatsächlichen Strom, nicht nur Zertifikate über die Erzeugung einer entsprechenden Menge. Eine Umetikettierung von Graustrom in Grünstrom ist bei uns damit ausgeschlossen.

NaturWatt bietet zwei Tarife an. Der günstigere davon, NaturWatt Hausstrom, liegt auf einem ähnlichen Preisniveau wie die Tarife von EWS, Lichtblick und Naturstrom, der Strom stammt aber zu 100% aus norwegischen Wasserkraftwerken. Strom mit Anteilen aus Wind- und Solarenergie kostet bei NaturWatt mehr. Es könnte leicht der Eindruck entstehen, NaturWatt wolle seine Kunden mit einem „Spartarif“ über den Preis locken statt über das ökologischste Angebot. Warum zwei Tarife?

Wir bieten diese Staffelung seit 11 Jahren an, um verschiedene Kundengruppen anzusprechen. Hausstrom ist ein ehrliches Produkt, das allen wichtigen Qualitätsansprüchen entspricht und dementsprechend vom Öko-Institut in der EcoTopTen-Liste empfohlen wird. Dabei ist es preisgünstig und überzeugt so viele Kunden, die zum ersten Mal zu Ökostrom wechseln. Mit Premiumstrom haben wir einen zweiten Tarif, der Wind und Sonne im Mix garantiert. Damit sprechen wir Kunden an, die spezifisch diese Formen der Energieerzeugung fördern möchten. Wenn wir aufgrund einer steigenden Nachfrage und guter Einkaufkonditionen Sonnen- und Windenergie mit in den Mix von Hausstrom aufnehmen können, werden wir dies tun.

In einem abschließenden Satz: Warum sollten Stromkunden zu NaturWatt wechseln, was ist euer stärkstes Alleinstellungsmerkmal?
Wir verwenden unsere Gewinne ohne wenn und aber für erneuerbare Energien. Damit ist klar, wem man sein Geld gibt und wofür. Die Nachfrage unserer Kunden führt direkt zu einem Ausbau der regenerativen Erzeugung.


Vielen Dank für die offene Auskunft. Ob NaturWatt den vier unabhängigen Anbietern bei ähnlichen Preisen „überlegen“ ist, muss jeder Stromkunde für sich selber entscheiden. Einen wichtigen Beitrag zur Energiewende leisten NaturWatt-Kunden in jedem Fall.



Die NaturWatt-Tarife im Überblick:

Grundgebühr/Monat
Cent/kWh
NaturWatt Hausstrom
7,50 €
19,90
NaturWatt Premiumstrom
7,50 €
21,90
NaturWatt Hausstrom: 100% Wasserkraft; NaturWatt Premiumstrom: 50% Wasserkraft, 49% Windenergie, 1% Solarenergie (Quelle: NaturWatt-Strommix)

Hier eine Orientierungshilfe, falls ihr euren Stromverbrauch nicht kennt:

2.000 kWh/Jahr
(1 Person*)
3.500 kWh/Jahr
(2 Personen*)
5.000 kWh/Jahr
(4 Personen*)
NaturWatt Hausstrom488.00 €
786.50 €
1085.00 €
NaturWatt Premiumstrom
528.00 €
856.50 €
1185.00 €
*ungefähre Richtwerte laut de.wikipedia.org

[update:] Seit November 2009 gibt es bei NaturWatt ausschließlich Strom aus Wasskerkraft, Windenergie und Solarenergie. In meinem Postleitzahlengebiet ist zudem der Arbeitspreis gesunken:

Grundgebühr/Monat
Cent/kWh
NaturWatt Hausstrom
8,25 €
18,99

Hier eine Orientierungshilfe, falls ihr euren Stromverbrauch nicht kennt:

2.000 kWh/Jahr
(1 Person*)
3.500 kWh/Jahr
(2 Personen*)
5.000 kWh/Jahr
(4 Personen*)
NaturWatt Hausstrom478,80 €
763,65 €
1048,50

Alle angegebenen Preise sind ohne Gewähr.

1 Kommentar:

  1. Ein kleines Update zum Interview ist inzwischen überfällig:

    Seit 1.1.2010 bieten wir Premiumstrom nicht mehr an und haben stattdessen Wind und Sonne in den Mix von Hausstrom integriert.

    Damit bekommt jeder NaturWatt-Kunde, natürlich auch Gewerbekunden und alle unsere Bestandskunden, Ökostrom aus Wind, Wasser und Sonne mit einem kontinuierlich wachsenden Anteil an Wind und Sonne!

    Wir beziehen den Wind- und Sonnenstrom per Direktvermarktung von Erzeugern in Deutschland. Eine Liste findet sich hier: www.naturwatt.de/unser-strom/stromherkunft.html

    Teurer geworden sind wir dadurch insgesamt nicht - in manchen Gebieten mussten wir unsere Preise wegen deutlich gestiegener Netzentgelte anheben, in anderen Gebieten konnten wir sie konstant halten oder sogar leicht senken. Die aktuellen Preise kann man hier ermitteln: www.naturwatt.de/privatkunde/naturwatt-oekostrom.html

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